DMZ

Koreas Geschichte ist geprägt von Eroberung und Besetzung. Umgeben von China und Japan wurde die kleine Halbinsel immer wieder Spielball beider Länder und deren Vorläufer.

Bevor es ein Nord- und Südkorea gab, stand die Bevölkerung beider Länder unter japanischer Kolonialherrschaft. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und insbesondere der Kapitulation Japans nach Hiroshima und Nagasaki, wurde die koreanische Halbinsel zwischen den Siegermächten aufgeteilt. Der Norden ging an Russland während der Süden von den USA verwaltet wurden. Die Grenze verlief auf dem 38. Breitengrad.

In beiden Hälften wurden bald Staaten gegründet jeweils nach dem ideologischen Vorbild der Verwalter. Beide Länder einte jedoch von Anfang an der Wunsch nach Wiedervereinigung. So dauerte es nicht allzu lange, bis Nordkoreas Herrscher Kim Il-sung seine Chance zur Wiedervereinigung ergreifen wollte und den Süden 1950 überraschend angriff. Sie erlangten schnell Überlegenheit und eroberten das gesamte Gebiet bis auf die Hafenstadt Busan im Süden.

Mit Hilfe der USA und 24 weiteren Ländern gelang es die Front wieder bis auf die ursprüngliche Grenze zu verschieben. Im Rest des drei Jahre dauerndem Krieg konzentrierte sich dann alles auf dieses Gebiet, bis es 1953 zu einem Waffenstillstand kam.

Beide Länder einigten sich schließlich die heute bestehende Grenze anzuerkennen. Um weitere Konflikte zu vermeiden, wurde ein 4 Kilometer breiter Korridor von einer Küste zur anderen eingerichtet. Die Demilitarisierte Zone, kurz DMZ. Jedes der beiden Koreas hat dabei die Kontrolle über 2km auf ihrer jeweiligen Seite. Beide Länder trennt bis auf diesen Streifen nicht viel voneinander. Es gibt wohl nicht mal einen Zaun geschweige denn eine Mauer.

Diesen geschichtlichen Abriss haben wir ab 7 Uhr morgens von einem phantastischen Reiseführer bekommen. Sein Name war Kenny, wobei das nur ein Name für uns Nichtkoreaner ist, damit wir es nicht so schwer haben.

Abgesehen davon, dass wir um 4 aufstehen mussten, war die Fahrt zum Reisebus spannend. Die Bahnhöfe waren menschenleer, einige lange Gänge waren wir allein oder eine weitere Person schlappte hinter uns her. Die Bahnen waren dagegen schon gefüllt und die Straßen sowieso.

Die erste Station nach einer Stunde Fahrt war Imjingak Park und die Freedom Bridge. Beides liegt nah beieinander and der südkoreanischen Grenze der DMZ. Dort gab es eine kleine Führung und einen ersten Blick in die DMZ. Alleine hier gab es schon viele Geschichten zu erzählen. Dieser Ort liegt an einer alten Bahnstrecke die durch beide Länder ging und sie lange verband. Die letzte Lok, die auf dieser Strecke fuhr, steht dort zerlöchert und wartet darauf wieder Menschen auf die andere Seite bringen zu können.

Von einer Aussichtsplattform kann man einen ersten Blick werfen. Dort patrouillieren Soldaten, hüpfen Rehe, fliegen Vögel und liegen vermutlich einige Minen. Im Laufe der Geschichte gab es auch mehrere Brücken hier. Einige wurde für für Gefangenenaustausche errichtet und dann wieder abgerissen, einige waren für den Verkehr zwischen beiden Staaten oder für die militärische Kontrolle.

Der Ort ist auch die einzige Möglichkeit als Tourist in die DMZ zu kommen. Dafür müssen sich die Reisegruppen so früh wie möglich anmelden. Für uns hat das Kenny übernommen. Das war auch der Grund der frühen Abreise. Durch die Spannungen in den letzten Jahren wurde die Menge an Bussen pro Tag um die Hälfte reduziert auf ca 25. Es gab also immer ein gewisses Risiko, dass man gar nicht rein durfte. Wir durften, aber erst später.

Nach einer kleinen Pause und der Möglichkeit echtes Nordkoreanisches Geld zu kaufen für nur 60-70 Tausend Won (Ca. 50 Euro), ging es dann zu einer weiteren Zwischenstation. Eine halbe Stunde Fahrt entfernt, befand sich eine Hängebrücke. Auch diese hat eine Geschichte aus dem Krieg, war aber hier hauptsächlich dafür da einen schönen Blick in die Landschaft zu bieten. Und für alle die ungern auf wackeligen Dingen laufen, bietet sie auch noch eine kleine Herausforderung.

Danach ging es aber los. Die erste Station nach innen war ein militärischer Übergang. Der Bus hielt und zwei sehr junge Soldaten stiegen ein und kontrollierten unsere Pässe. Dann fuhren wir durch diverse Sperren einen kleinen Slalom und machten uns auf den Weg zum Observatorium. Dort angekommen gab es einen kurzen aber sehr pathetischen Film über den Krieg. Kann man sich gern schenken, führt nur leider kein Weg dran vorbei.

Danach gab es eine kleine Ausstellung, bis man dann endlich zu einem großen Panoramafenster geführt wurde und freien Blick in die Demokratische Volksrepublik Korea hatte. Leider durfte man keine Fotos machen. Aber auf einem der beiden Bilder unten sind eventuell ein paar ihrer Berge versteckt.

Was konnte man dort so alles sehen?

Direkt vor dem Observatorium war ja noch Südkorea, aber nicht mehr viel. Direkt vor sich sah man kleine Wachtürme, Bäume und Autos. Wenn man den Blick dann hebt kommt der Dritte Tunnel in Sicht. Dazu später mehr.

Dahinter dann ein Dorf. Ein echtes Dorf. Dort wohnen immer noch ein paar Menschen, hauptsächlich wohl ältere. Viele von dort pendeln auch aus der DMZ heraus. Für sie gilt allerdings, dass sie bis 19 Uhr zurück sein müssen. Das gilt auch für alle die in der DMZ zu Besuch sind. Herausstechend ist hier der Flaggenmast. Der ist 100m hoch mit einer 130kg schweren Flaggen.

Dahinter ist dann die JSA, die Joint Security Area, eine Fläche, die in beide Länder ragt, mit Gebäuden die auf der Grenze stehen und es ermöglichen Gespräche zwischen beiden Ländern zu ermöglichen. Eigentlich sollte das Teil unseres Besuchs sein, aber das ist seit 1,5 Jahren nicht mehr erlaubt. Aber nicht etwa wegen politischer Streitereien, sondern weil ein US-Amerikaner es genutzt hatte nach Nordkorea zu fliehen. Er hatte sich einiges zu Schulden kommen lassen, sodass es wohl die beste Alternative für ihn war.

Jedenfalls sieht man diese blauen Gebäude immer mal, wenn es mal wieder Treffen zwischen beiden Ländern gibt oder ein ehemaliger und auch zukünftiger US-Präsident zu Besuch kommt.

Hinter der JSA sieht man dann sehr schnell einen zweiten Flaggenmast. Und der ist größer. Ganze 160m Höhe mit einer 270kg schweren Flagge. Darum befindet sich auch ein Dorf. Es wird gemeinhin angenommen, dass dort niemand lebt, bis auf Soldaten. Die Gebäude sehen aus der Ferne auch sehr frisch aus. Unser Guide meinte auch, dass viele Fenster und Türen nur aufgemalt seien.

Wenn der Blick dann links schwenkt, erkennt man eine weitere Ansammlung von Gebäuden. Das ist ein ehemaliger Industriegebiet. Dort arbeiteten Nord- und Südkorea gemeinsam an Forschung und Produktion. Vor einigen Jahren wurde diese Zusammenarbeit allerdings von heute auf morgen abgebrochen und seitdem liegt es brach. Das zentrale Hochhaus wurde auch teilweise, angeblich auf Geheiß Kim Jong-Uns Schwester, gesprengt.

Dahinter, langsam fangen die Berge an, schlängelt sich dann eine echte Stadt, Kaesŏng, durch das Tal. Man konnte nicht viele Details erkennen, da sie ca 10 Kilometer entfernt lag. Dahinter dann nur noch Berge und ein sehr hoher Mast. Das ist wohl ein Störmast um jegliche Funkkommunikation und Medien aus dem Süden fernzuhalten.

Eine Form der Konfrotation beider Länder ist übrigens über Lärmbelästigung. Von beiden Seite wird regelmäßig über große Lautsprecher Propaganda, K-Pop und anderes in das jeweils andere Land gepustet. Eine kleine Kostprobe davon durften wir auf dem Weg zum Bus genießen.

Die letzte Station war dann einer der vier Tunnel, die Nordkorea in Richtung Süden gebuddelt hatte. Einige waren nur dafür geeignet Soldaten zu bewegen, andere aber auch für schwerere Geschütze. Ziel war Seoul überraschend einzukreisen und einzunehmen.

Um zu diesen Tunnel zu kommen, musste man einen Zugangstunnel hinabsteigen. 350m um 70m Höhe zu überwinden. Nach unten war’s einfach. Hoch wäre auch wieder gegangen, wenn da nicht der eigentliche Tunnel war. Der ging zwar gerade durch, aber war meistens nicht höher als 160. Während viele doch gelegentlich leicht gebückt laufen konnten, durch ich die ganzen 250 Meter auch noch halb kriechend vorangehen. Es war eng, feucht und warm. Am Ende der leichten Ertüchtigung stand man dann vor einer Mauer mit einer Glasscheibe und nur wenige Meter von der harten Grenze zwischen beiden Ländern entfernt. Dafür hatte es sich dann schon gelohnt.

Dann ging es zurück zum Bus und nach einem kleinen Halt mit der Möglichkeit Geld auszugeben, dann auch wieder nach Seoul.

Der Tag war anstrengend, aber sehr erfüllend. Es war spannend, mit Menschen aus Europa (wir konnten Dänemark, Italien und Spanien identifizieren), den USA und Japan in einem Bus zu sitzen um an einen Ort zu fahren, der mehr oder weniger direkt aus unserer eigenen, gemeinsamen Geschichte resultiert.

Dann hinzukommend ja nochmal unsere eigene Teilung. Während man in Deutschland ’nur‘ grob 40 Jahre getrennt war und man auch nach 35 Jahren noch einen nicht unerheblichen kulturellen Unterschied bemerkt, sind es hier nun fast 75 Jahre. Locker 3-4 Generationen, während es bei uns vielleicht 2 waren.

Und die Chance bzw. der Wille auf Wiedervereinigung ist wohl auch immens gesunken. Die Argumente scheinen ähnlich wie vor und nach der deutschen Wiedervereinigung. Der Kulturschock, insbesondere für Nordkorea, würde heftig sein.

So unterhaltsam wie vieles auf dieser Tour war, so nachdenklich hat es aber auch gemacht. 5 Sterne, gerne wieder.