
Nur zu zweit (oder gar alleine) Weihnachten verbringen, durften wir in den letzten Jahren zu Genüge üben. Dieses Mal also noch in einem anderen Land.
Fangen wir an mit Weihnachten. Für uns war Heiligabend ein gemütlicher Tag mit kleiner Deko für 15.000 Won (ca. 10€), inklusive pinkem Miniweihnachtsbaum und Lichterketten, und liebevoll angerichtetem Schweinebauch mit Beilagen. Zwischendrin sprachen wir noch mit unseren Familien, die sich gerade am Nachmittag trafen.



Die sicherlich spannendere Frage ist aber sicherlich: Wie feiert man denn in Korea Weihnachten.
Nun, trotz tollem Ausblick, aber fehlendem Fernglas, konnten wir nicht in die umliegenden Wohnzimmer schauen.
Auf den Straßen gab es jedenfalls Weihnachtsmärkte. Wir besuchten einen recht zentralen, in dessen Nähe auch noch zwei andere Attraktionen waren und der im Schatten der Statue König Sejongs lag.
Der Markt selbst war, Zitat, im europäischen Stil und bot, wie auch bei uns eine Menge Kram zu kaufen.
Angeschlossen daran waren mehrere Essensstände. Wir probierten einige davon aus. Wie auch in vielen Restaurants konnte, musste!, man an einem Automaten bestellen und dann warten bis die eigene Nummer aufgerufen wird. Neben eher koreanischer Kost, gab es aber auch Glühwein, der ganz OK war und Leberkäse und ‚Stuttgarter‘ Würstchen der 1. Bayrisch-Koreanischen Fleischerschule.



Wenn man dem Weg weiter folgte kam man zum Haupttor des Gyeongbokgung Palastes. Dort gab es nach Einbruch der Dunkelheit eine sich wiederholende, 20-minütige Lichtshow verschiedener Künstler, die auf den Eingang projiziert wurden. Begleitet von Musik war es schon beindruckend. Noch beeindruckender war, dass der Platz vor der Tor eine große Kreuzung war und die Menschen regelmäßig von Ordner auf dem Fußweg zurückgedrängt wurden.

Die letzte Station war dann der Cheonggyecheon Stream (siehe Unten am Bach). Auf diesem wurde viele Lichtinstallationen gezeigt und unter einer Brücke sogar ein farbenfroher Film auf das Wasser projiziert. Das war doch sehr schön.






Im Gegensatz zu unseren Gewohnheiten ist Weihnachten jedoch nicht zwingend ein Fest der Familie. Vielmehr ist es ein Anlass besonders für Paare eine schöne Zeit zu verbringen und die Lichter und Stimmung zu genießen. Da decken sich zumindest auch Beobachtungen und Menschen aus dem Internet. Familienfeste gibt es in Korea auch, allerdings zu anderen Anlässen. Zum einen Chuseok Anfang Oktober und das Neujahrsfest des Mondkalenders, was Anfang Februar gefeiert werden wird.
Was ist nun mit der Feier anlässlich der erfolgreichen Umrundung der Sonne? Das wird hier, zumindest in Seoul, mit großen Countdownfeiern an verschiedenen Orten gefeiert. Das beinhaltet dann auch Konzerte großer koreanischer Künstler. Normalerweise. Dieses Jahr war das anders. Durch den tragischen Flugzeugabsturz kurz nach Weihnachten, wurde eine Trauerwoche ausgerufen. Im Zuge dessen wurden auch fast alle öffentlichen Feiern abgesagt. Das einzige was stattfand war das Anschlagen der Neujahrsglocke. Wir verfolgten das im Fernsehen und es war beeindruckend. Menschenmassen versammelten sich vor dem Glockengebäude und stumm lauschten alle dem Glockenschlag.


Dank unserer Aussicht durften wurde allerdings kurz vor Sonnenaufgang noch eine andere Tradition bewundern. Wir haben hier Blick auf einige der zahlreichen Berge rund um Seoul. Und dort sah man viele kleine, zappelnde Lichter. Viele Menschen machten sich nämlich auf, um die ersten Sonnenstrahlen des neuen Jahres zu erblicken. Eine Tradition, die ich hoffe zum Mondneujahr auch mal zu erleben.