Entgegen unserer Planung in Seoul, haben wir uns in Busan diesmal für eine Unterkunft für die ganze Zeit entschieden. Es ging vorher leider nicht anders, aber nun heißt es nicht alle 4 Wochen umziehen. Die Wahl fiel dabei auf ein Apartmentgebäude (아파트 – Apartment, gespr. A-Pa-Te).
Das, wie sich herausstellte, ist auch noch relativ neu. Und befindet sich zwischen dem Hauptbahnhof und einem Passagierschiffanleger.

Der Blick vom (fast leider nur) sechsten Stock ist schon beeindruckend. Die Brücke im Hintergrund ist eine von 7 Brücken, die sich in den vielen Buchten Busans befinden. Die Stadt an sich verteilt sich entlang der Küste. Der Parkplatz gehört scheinbar zu Schiffsterminal. Daneben wurde ein neuer Park angelegt, der auch ein neues Opernhaus beherbergen soll. Man kann dort auch entlang eines kleinen Kanals gehen, der wiederum von 7 Fußgängerbrücken überspannt wird.
Das Apartment selbst ist nahezu perfekt. Ein kleine Zweizimmerwohnung, die größer ist als unsere aktuelle Wohnung. Es gibt ein geräumiges Wohnzimmer mit offener Küche, die auch komplettes Geschirr enthält, ein kleines Bad, ein Schlafzimmer und daran angeschlossen ein kleiner begehbarer Kleiderschrank mit einem Kleidungsaufrischergerät oder wie auch immer man das nennt. Abgerundet ist das Ganze dann noch mit Gimmicks wie zentraler Wohnungssteuerung. An einem Gerät kann man Heizung, Tür, Fahrstuhl(!), Licht, Steckdosen usw. steuern. Nicht zu vergessen, der kleine Eingangshausflur mit einem Schrank für Kleidung und Schuhe. In Korea ist es unüblich, gar unhöflich, eine Wohnung mit Schuhen zu betreten. Und so hatten bisher auch alle Apartments einen kleinen, manchmal nur abgesenkten, Bereich um die Schuhe abzustellen.



An einem der ersten Tage erkundeten wir dann auch noch unsere Umgebung. Auf der anderen Seite des Bahnhofs findet sich das blühende Leben mit Geschäften, Restaurants, Wohnhäusern und dem Hauch von Rotlicht. Außerdem findet man hier ein bisschen Russisch und die Texas Street. All das spiegelt die besondere Rolle, die Busan in der späteren Geschichte Koreas gespielt hat. So war Busan die einzige Stadt, die nicht im Koreakrieg erobert wurde und war der Hauptstützpunkt der amerikanischen Streitkräfte. Vielleicht ist das auch ein Grund, warum man hier mit englisch viel besser durchkommt als in Seoul. Jedenfalls war dieser Stadtteil nach dem Krieg wohl ein beliebter Anlaufpunkt für stationierte, amerikanische Soldaten, die seit 2018 hier aber nicht mehr erwünscht sind. Hauptgrund ist wohl tatsächlich die trotz Verbot hier stattfindende Prostitution. Hinzu kommen dann noch koreanisch-russische Exilanten, die hier ihre Community haben. Direkt nebenan ist dann auch noch Chinatown, was die Mischung abrundet. So kann man über 1-2 Kilometer durch schmale Gassen gehen und sich entscheiden, ob man Chinesisch, Russisch oder Koreanisch essen oder singen möchte. Einen Kebabladen gibt es übrigens auch.
